1.Sonntag im Advent: “Der kommenende Herr”
Liebe Gemeinde,
ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 1. Sonntag im Advent. In der Adventszeit gedenken wir ja der Geburt unseres Herrn. Was es denn nun mit diesem Jesus auf sich hat, was vor seiner Zeit galt und was auch heute noch Gültigkeit besitzt, damit beschäftigt sich unser heutiger Predigttext. Diese “Bestandsaufnahme” des christlichen Glaubens war notwendig geworden, da Paulus bemerkte, dass sich immer mehr religiöse Splittergruppen bildeten, die unterschiedliche und zum Teil auch nicht unproblematische Lehrmeinungen vertraten. Bevor wir gemeinsam über den
Predigttext des heutigen Sonntags nachdenken wollen, lassen Sie uns diesen gemeinsam lesen. Wir finden den Predigttext im Römerbrief, Kapitel 13, die Verse 8-12:
Die Liebe als Erfüllung des Gesetzes
Seid niemand etwas schuldig, außer, dass ihr euch untereinander liebt;
denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn was da gesagt ist (2. Mose20,13-17): “Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren”, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst (3. Mose 19,18): ” Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.” Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.
Leben im Licht des kommenden Tages
Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbei gekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.
Liebe Gemeinde,
wenn wir den Predigttext ein wenig genauer studieren,dann entdecken wir eine zeitliche Dreiteilung. Lassen Sie uns diese drei Zeitspannen genauer betrachten:
1. Was war vor Jesus
Vor dem Erlösungswerk unseres Herrn galt das Alte Testament in vollem Umfange. Über die eigentlichen 10 Gebote hinaus gab es zahlreiche Sondervorschriften, die wir in den fünf Büchern Mose nachlesen können. Nein, das Leben zur Zeit des Alten Testaments war nicht gerade einfach.
Die Menschen lebten in der ständigen Furcht, sie könnten eine der vielen Verordnungen, wenn auch versehentlich, verletzen und dann womöglich auch das falsche Opfer auswählen für die notwendige Entsühnung.
Der Blick für den Nächsten war eigentlich gar nicht mehr möglich, da man ja schließlich genug mit sich selber zu tun hatte. Man kann die Menschen des Alten Testaments ganz einfach mit Nachtwächtern vergleichen.
Nachtwächter haben eigentlich nur eine Sorge, dass sie genügend Licht haben und dass ihr Ofen nicht ausgeht, denn sie leben ja IN der Nacht.
Und so lebten die Menschen vor Jesus auch irgendwie immer in der Nacht.
Jedenfalls hatten die Regeln und Verordnungen des Alten Testaments mit Liebe und Licht und hellem Schein recht wenig zu tun.
2. Was lehrte Jesus
Vielfach hört man die recht problematische Auffassung, Jesus sei in die Welt gekommen, um das Gesetz abzuschaffen. Dem dürfen wir getrost widersprechen. Jesus ist in die Welt gekommen, um das Gesetz zu erfüllen. So lesen wir in unserem Predigttext: So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.
Schauen wir uns doch einmal den zweiten Teil der 10 Gebote, wir finden sie ebenfalls in unserem heutigen Predigttext, an und betrachten wir diese Gebote mit den Augen der Liebe.
Du sollst nicht ehebrechen heißt mit den Augen der Liebe betrachtet:
Achte deinen Partner kümmere dich liebevoll um deinen Partner und achte darauf, dass es ihm stets gut geht. Du sollst nicht töten heißt mit den Augen der Liebe betrachtet: Achte das Leben als das höchste Gut eines anderen Menschen. Pflege und behüte es, bis der Herr diesen Menschen wieder zu sich holt. Sorge auch für die Schwangeren, die in ihrer Not nicht mehr weiterwissen. Ermögliche Ihnen mit allem was du hast ein Umfeld, in welchem ein Baby wohlbehütet aufwachsen kann.
Du sollst nicht stehlen heißt mit den Augen der Liebe gesehen: Du verfügst über alle möglichen Fähigkeiten. Gott hat dich so toll ausgestattet, mit allem, was du benötigst. Du musst niemand anderem etwas wegnehmen, um glücklich zu werden. Setze deine Möglichkeiten ein und es wird dir stets wohl ergehen. Du sollst nicht begehren heißt mit den Augen der Liebe betrachtet: Schau dich an, dir geht es doch wirklich gut. Der Herr gibt dir alles , was du brauchst und was durch nicht hast,
das brauchst du auch nicht. Sei nicht neidisch, du siehst ja doch nur die Verblendung der anderen Menschen.
Jesus betrachtete aber nicht nur alles mit den Augen der Liebe, sondern er tat auch alles allein aus seiner Liebe zu uns heraus. Ja, sogar sein Kreuzestod geschah aus der Liebe zu uns heraus.
3. Unsere heutige Situation
Wir warten auch heute im Jahre 2009 immer noch auf die Wiederkunft unseres Herrn. Wie wir in der Adventszeit der Geburt unseres Herrn gedenken, genau so sollen wir stets und ständig auf seine Wiederkunft warten. Waren die Menschen des Alten Testaments Nachtwächter, so sind wir Menschen im neuen Bund ja eigentlich Morgenwächter.
Als Morgenwächter sind wir zwar noch in der Nacht. Aber wir wissen ganz genau, dass der nächste Morgen kommen wird. Wir können ihn schon erahnen. Ja, manchmal können wir auch schon ein Stück des nahenden Morgens direkt fühlen. Und bis es dann tatsächlich wieder heller Morgen
wird sollen wir es unserem Herrn gleichtun und alles mit den Augen der Liebe betrachten.
Dies sollen wir nicht nur jetzt zur Weihnachtszeit tun, sondern das ganze Jahr über. Üben wir doch öfter mal die Gabe des Lobens anstelle der “Gabe” der Kritik. Gönnen wir unseren Mitmenschen doch Teile unserer wertvollen Zeit, auch wenn wir eigentlich gerade so gar keine Zeit haben.
Und lassen Sie uns mit anderen Menschen über die Liebe Jesu zu uns reden. Gerade jetzt zur Weihnachtszeit haben wir eine gute Chance, Menschen mit der frohen Botschaft in ihren Herzen zu erreichen.
Sie sehen, es eigentlich gar nicht so schwer, ein Leben als Morgenwächter zu führen. Und der, der sich noch im Morgengrauen verbirgt, hilft uns gern dabei, wenn wir ihn um seine Hilfe bitten.
Als Morgenwächter können wir sicherlich alle in den zweiten Vers des Liedes “Ihr lieben Christen, freut euch nun…” von Erasmus Alber einstimmen, der da lautet, wie folgt:
Der jüngste Tag ist nun nicht fern.
Komm, Jesu Christe, lieber Herr !
Kein Tag vergeht, wir warten dein
und wollten gern bald bei dir sein.
Der Herr segne Dich auf Deinem Weg ZU Ihm
Der Herr segne dich auf Deinem Weg MIT Ihm
Der Herr segen Dein Leben IN Ihm.
Amen
Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten 1. Adventssonntag, sowie einen frohen Start in die nächste Woche.
Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr
Ulrich Naber




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